143. GV der Offiziersgesellschaft Einsiedeln

Offiziere im Untergrund

Am vergangenen Freitag (29.03.2019) sind rund 50 Mitglieder und geladene Gäste der Einladung des Vorstands der Offiziersgesellschaft Einsiedeln OGE ins Birchli gefolgt und haben aus Anlass der 143. Ordentlichen Generalversammlung exklusive Einblicke in das unterirdische Militärspital Einsiedeln gewonnen. Auch für viele alteingesessene Einsiedler war es ihr erster Besuch in der imposanten Anlage.

Obwohl die Generalversammlungen der 1876 gegründeten OG Einsiedeln traditionell gut besucht werden, ist es für einen altehrwürdigen Verein heutzutage doch eher ungewöhnlich, wenn bei diesem periodisch wiederkehrenden Termin für einmal fast der halbe Mitgliederbestand vor der Türe steht. Gelockt wurden die Offiziere aller Altersklassen und Waffengattungen durch den besonderen Veranstaltungsort, dessen Tore exklusiv für sie geöffnet wurden und um den sich bis dahin so manche Geschichten und Erzählungen rankten. Unter fachkundiger Führung durch Angehörige der militärischen Sanität – allen voran den diesjährigen Gastreferenten und stellvertretenden Oberfeldarzt der Schweizer Armee, Dr. med. Thomas Bührer – wurde mit diesen Mythen aufgeräumt und dafür allerlei an Fakten vermittelt. Sie präsentierten der Versammlung ein erstaunlich geräumiges, helles und modernes Krankenhaus unter Tage, mit dem selbst anderweitig bunkerversierte Armeeangehörige so nicht ohne weiteres gerechnet hätten.

Schweizweit das einzig Verbleibende seiner Art

Die Besucher erfuhren, dass das 1984 eingeweihte, dreigeschossige Militärspital erst in den Jahren 2017/18 einer umfassenden Sanierung unterzogen und als Infrastruktur damit auf einen Stand gebracht worden ist, welcher den heutigen klinischen Vorschriften entspricht. Das Militärspital ist in der Lage, im Krisen- und Ereignisfall bis zu 200 Kranken und Verletzten eine umfassende medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Nach der Revision des Stationierungskonzeptes im Rahmen der per 1. Januar 2018 gestarteten Reform „Weiterentwicklung der Armee (WEA)“ wurden bis auf den Standort Einsiedeln landesweit alle vergleichbaren Militärspitäler aufgegeben, was die Bedeutung der hiesigen Anlage zusätzlich steigert. Bei einem möglichen Ernstfall muss es sich nicht unbedingt um ein Kriegsereignis oder eine Naturkatastrophe handeln, sondern es könnte auch eine plötzlich auftretende Pandemie sein mit dem Resultat eines sehr kurzfristigen Bedarfs an zusätzlichen Pflegekapazitäten. Im Regelfall wird das Spital heute durch Angehörige der militärischen Sanität belegt und betrieben: Die Verbandsausbildung der Sanitätsrekrutenschulen und häufig auch WK-Verbände wie das Spitalbataillon. Es wird zudem in Teilen auch vom Einsiedler Zivilschutz genutzt.

Frische Akzente in Vorstand und Jahresprogramm

Im Anschluss an die rund anderthalbstündige Führung durch das Militärspital schritt die Versammlung zur ordentlichen Generalversammlung, der auch die Schwyzer Regierung in den Personen von Sicherheitsdirektor André Rüegsegger und Volkswirtschaftsdirektor Andreas Barraud, selbst ein langjähriges Mitglied der OGE, sowie Nationalrat Alois Gmür, ebenfalls langjähriges Mitglied der OGE, ihre Aufwartung machte. Die Mitglieder bestätigten ihren Präsidenten, Major im Generalstab Marcel Schönbächler, und andere Vorstandsmitglieder für zwei weitere Jahre im Amt und dankte dem scheidenden Kassier Hauptmann Marc Schürch, der sein Amt nach über 10 Jahren abgab, für seine grossen Verdienste. Ihm rückt der Bennauer Leutnant Lukas Kauflin nach, den die Versammlung einstimmig zum neuen Finanzchef gewählt hat. Der Präsident gab im Nachgang zu seinem reichhaltigen Jahresbericht 2018 einen Ausblick auf das Jahresprogramm 2019, von dem insbesondere der gemeinsame Schiessanlass mit den Einsiedler Schützenvereinen und dem Unteroffiziersverein Einsiedeln zu erwähnen ist. Er findet am 29. Juni in den  Schiessständen in der Wäni statt. Für den September plant die OGE ausserdienstlicher Anlass mit dem Schiff „Angelika“ im Raum Sihlsee, bei dem für den Verein mit dem Besuch des mittlerweile komplett zum Museum umgestalteten Festungswerkes Ruostel bereits ein weiterer Gang in die militärischen Unterwelten des Kantons Schwyz auf dem Programm steht.

Autor: Jahn Koch